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Das Camp 2010 in Vorbereitung: Erfolgreiches Rekognoszieren

 

swisscor bereitet sich auf den Empfang von 80 elf bis dreizehnjährigen Mädchen und Knaben aus Moldawien in sein medizinisch begleitetes Camp 2010 vor. Wie die drei letzten Lager 2007 - 2009 wird das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen Appenzell AR die Kinder während zweier Lagerwochen beherbergen. Die Kinder kommen in Begleitung 15 erwachsener ihnen vertrauten Personen (Lehrer, Pädagogen, Pflegefachpersonen…). Während swisscor in diesem Jahr sein 10jähriges Jubiläum feiert, wird das vom 29. Juli bis 12.August dauernde 11. Camp, das 1000. Kind willkommen heissen. Mitte März reiste eine kleine Delegation der Stiftung swisscor nach Chisinau, um Vorbereitungen zu treffen. swisscor zieht eine erste Bilanz mit Herrn Jörg Rickenmann, Generalsekretär der Stiftung swisscor. Gespräch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In einem Kinderheim in Carpineni: von l. nach r.: Jörg Rickenmann, die Lehrerin, Frau Angela Gangan, Koordinatorin und Übersetzerin der DEZA in Chisinau, Françoise von Tscharner und Gianpiero A. Lupi.

 

 

Welches sind die Ziele solcher Rekognoszierungen?

 

Sie beinhalten politische, operationelle und logistische Ziele.

 

Politisches Ziel: Wir besuchen verantwortliche Ministerien für Bildung, Gesundheit und Soziales und erklären den Zweck der medizinisch begleiteten Lager. 80 Kinder einer ausländischen Nonprofitorganisation anzuvertrauen ist eine grosse Verantwortung. Während dieser Sitzungen entwickelt sich ein gegenseitiges Vertrauen. Die Behörden lernen das Vorgehen von swisscor für die ihnen anvertrauten Kinder kennen. swisscor erhält die Garantie, dass die nach ihren Kriterien vorgesehenen Kinder auch wirklich ins Lager kommen. Dann verhandelt swisscor für Erleichterungen im administrativen Vorgehen bei der Vorbereitung der Reise.

 

Operationelles Ziel: Wir besuchen die Direktionen der Kinderinstitutionen und erklären ihnen unsere medizinischen Möglichkeiten für die 80 Kinder. Alle Kinder, die in die Schweiz eingeladen werden, sind benachteiligt, sehr arm, auch Waisen, 10% schwer behindert, 40% teilbehindert und 50 % bei vordergründig guter Gesundheit. Alle werden zu Beginn des Lagers medizinisch untersucht werden.

 

Logistisches Ziel: Transportmodalitäten innerhalb des Landes und auf dem Flugplatz, Flug in die Schweiz und retour müssen organisiert werden. Dazu kommen administrative Aufgaben, um Pässe zu erhalten und Visas zu organisieren.

 

Aus wem bestand die Delegation?

 

Um maximale Effizienz bei minimalen Kosten zu gewährleisten war unsere Delegation auf 4 Personen beschränkt: Gianpiero A. Lupi, Präsident der Stiftung swisscor und Arzt, als Koordinator unserer Verhandlungen; Daniel Biedermann, Vizepräsident des Stiftungsrates, mit langjähriger Erfahrung in internationalen humanitären Organisationen, erklärte das Lagerprogramm; Frau Françoise von Tscharner, Ärztin, erläuterte medizinische Kriterien sowie unsere medizinischen Möglichkeiten. Ich selber werde die Lagervorbereitungen bis zur Ankunft der Kinder in der Schweiz treffen sowie ihre Rückreise nach dem Lager organisieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Vor einem Kinderheim in Laloveni: von l. nach r.: Gianpiero A. Lupi, Françoise von Tscharner, die Kinderheimdirektorin und ihre Stellvertreterin, Frau Angela Gangan, DEZA Chisinau, Jörg Rickenmann und Daniel Biedermann.

 


Welche Kinder empfangen Sie dieses Jahr?

 

Moldawien kennt über 150 Institutionen für Kinder mit Behinderungen oder für benachteiligte, verlassene Kinder, Waisen, Strassenkinder. swisscor hat sieben dezentral gelegene Institutionen besucht, in welchen rund 1300 Kinder leben. Von diesen 1300 ist swisscor lediglich in der Lage 80 aufzunehmen!

 

Wir werden Kinder aus Carpineni (50 km von Chisinau entfernt), aus Hancesti (30 km), Orhei (45 km), Jaloveni (160 km), Bali (130 km) und Leova (80km) empfangen. Alle diese Kinder sind benachteiligt (verlassen, verwaist, mit körperlichen, z.T. auch geistigen Behinderungen). Wir haben sie besucht und sahen sie in den Schulklassen  wie auch beim Spielen. Wir wissen, dass wir ihnen auch in der kurzen Zeit von  zwei Wochen ihres Besuches in der Schweiz eine medizinische wie auch psychologische Unterstützung bieten können. Das breite Spektrum der Kinder zeigt auch, dass swisscor sich gegen jegliche Ausgrenzung  engagiert.

 

Es ist das zweite Mal, dass swisscor Kinder aus Moldawien empfängt. Führen Sie Nachkontrollen bei Kinder von 2007 durch?

 

Unsere Ärztin, Frau Dr.med. Françoise von Tscharner, kontrolliert, wenn möglich, den Verlauf besonderer medizinischer Fälle (Prothesen, orthopaedische Hilfen etc). So haben wir bei unserem jetzigen Besuch in Moldawien das Zentrum Criuleni wieder besucht (40km) und Kinder des Lagers 2007 wieder gesehen. Die Freude war  gross zu hören, dass gewisse verschlossene Kinder nach ihrem Schweizer Aufenthalt sich öffneten, Kontakte aufnahmen und sich viel sozialer verhielten. Auch erhielten „swisscorkinder“ an einem von UNICEF organisierten Filmwettbewerb einen Preis. Ihr Szenario erzählte vom Alltag in einem Waisenhaus mit 800 Kindern und vom Erstarken ihrer Persönlichkeit seit ihrem Besuch im swisscorlager.

 

Wie war der Empfang der Stiftung swisscor in Moldawien?

 

Die Bevölkerung war sehr liebenswürdig, zeigte sich dankbar für Zuwendung und Interesse. Sie bemühte sich uns zu helfen. Unser Interesse für ihre gefährdeten, benachteiligten Kinder berührte sie. Ebenso konnten wir von fachlicher Kompetenz beim Auswahlverfahren der Kinder wie bei den Formalitätsfragen profitieren.

 

Wie ist die Zusammenarbeit mit Schweizer Behörden vor Ort?

 

Seit der Gründung von swisscor im Jahr 2000 hat unsere Stiftung die volle Unterstützung des Amtes für Entwicklung und Zusammenarbeit der Schweiz (DEZA) im Herkunftsland der Kinder. Diese Unterstützung beinhaltet die Vermittlung von Kontakten mit staatlichen Stellen, die Selektion von Institutionen für das Projekt, die Lösung der logistischen Probleme im Land vor der Reise. Eine sehr grosse Hilfe, ohne die wir niemals so effizient sein könnten. So werden wir auch in diesem Jahr 2010 äusserst professionell und optimal in unseren Vorbereitungen unterstützt.

->->-> www.swiss-cooperation.admin.ch/moldova/en/Home

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arbeitssitzung: Frau Rodica Moraru, Vize-Ministerin des Ministeriums für Arbeit und Frau Angela Gangan, DEZA Chisinau umringt von Präsident und Vize-Präsident des Stiftungsrates swisscor, Gianpiero A. Lupi (l.) und Daniel Biedermann (r.)

 

Welches sind die nächsten Vorbereitungsschritte  zum Camp 2010?

 

Die Vorbereitungen finden gleichzeitig in Moldawien und in der Schweiz statt.

 

In Moldawien werden die medizinischen Fragebögen für jedes Kind ausgefüllt, welche von unseren Ärzten beurteilt werden. Wir werden auch die Begleiter bestimmen. Anschliessend werden die 80 Einladungen für die Kinder, sowie für die 15 Begleiter bestätigt. Es folgt das Beantragen der Pässe. Schliesslich bitten wir das Bundesamt für Migration um Erlaubnis diese Kinder aufzunehmen und können dann die Visa herstellen lassen.

 

In der Schweiz, in Zusammenarbeit mit der Direktion des Flughafens Zürich, werden wir das Ankunftsprocedere des Charterfluges sowie auch die Weiterreise nach Trogen organisieren. Wir werden Freiwillige rekrutieren, welche im Lager mithelfen werden.(Ärzte, Zahnärzte, Pflegepersonal, Betreuer, Chauffeure etc.). Wir werden Kontakt aufnehmen mit Spezialisten für ausserordentliche medizinische Probleme. Schlussendlich werden wir mit den Pädagogen des Pestalozzidorfes die Details des Lagerprogramms koordinieren (medizinische Untersuchungen, medizinische und zahnmedizinische Programme, pädagogische Programme, Exkursionen, spezielle Anlässe).

 

Welches werden die Höhepunkte des Camp 2010 werden?

 

In der Tat ist jeder Tag ein besonderes Ereignis, ein Highlight: Die individuelle Betreuung zur Verbesserung der Gesundheit, die Emotionen und die Entdeckung des Anderen in den ausgezeichneten interkulturellen Kursen der Pädagogen der Stiftung Pestalozzi. Aber auch ganz einfach die Spiele unter den Kindern, welche aus vier verschiedenen Regionen des gleichen Landes kommen.

 

Aber müsste man nur zwei Höhepunkte erwähnen, nennen wir den Musik-Workshop mit den jungen Musikern eines Rekrutenspiels Schweizer Militärmusik. Während eines Nachmittages stellen die Rekruten ihre Instrumente den Kindern vor und lassen sie diese ausprobieren. Einer der Soldaten sagte während des Workshops vom letzten Jahr: „Wir verstehen die Sprache der Kinder nicht, sie verstehen unsere Sprache nicht, aber wir verstehen uns über die Musik.“

 

Und dann Freitag, den 6. August, der Tag der swisscor Treffen“. Ein Festtag für die Kinder, welche den Gästen von swisscor ihre Freude zeigen, ihre Lieder und Tänze vorführen. Dieser Tag ermöglicht es jedem unserer Spender zu sehen und zu erleben, wie seine grosszügige Geste von swisscor verwendet wird.

 

swisscor - Kommunikation

Interview  vom 21. März 2010